Massage beim Hund – Wie du mit gezielten Griffen für Schmerzlinderung sorgst

Mein Hund ist alt geworden und mit Glück kann ich sagen, dass es ihm sehr lange gesundheitlich gut ging. Denn auch junge Hunde haben häufig schon mit Problemen am Bewegungsapparat zu tun. Jetzt brauchen sie zügig einen aufmerksamen Halter, der sie unterstützt und medizinisch versorgen lässt. Was aber ist mit Massage? Den gezielten Griffen zur Schmerzlinderung, die den Hund unterstützen und dem Bewegungsapparat eine Verschnaufpause gönnen?

In diesem Artikel werde ich dir ein paar Kniffe aus meiner physiotherapeutischen Praxis verraten und insbesondere wenn dein Hund z. B. an Arthrose, Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellenbogendysplasie (ED), Patellaluxation, einem Kreuzbandriss oder Rückenproblemen leidet, solltest du unbedingt weiter lesen.

Was ist Massage

Bei der Massage wirken wir manuell auf die Haut, das Gewebe und die Muskulatur des Hundes ein. Das Hauptziel der Massage ist es, Schmerzen zu lindern und Verspannungen zu lösen.
Durch die Erwärmung des Gewebes wird die örtliche Durchblutung verbessert. Das regt den Muskelstoffwechsel an und der Körper wird mit mehr Sauerstoff versorgt. Durch Dehnungsreize (z.B. bei Streichungen) nimmt die Spannung im Muskel ab, er lässt locker.

Massage kann sich auch positiv auf die Psyche auswirken. Der großflächige Hautkontakt führt teils zur Ausschüttung von Glückshormonen, wie Oxytocin, das gegen Stress wirkt. Auch Schmerzen führen zu Stress im Organismus. Durch Schonhaltungen, die der Hund bei seiner Gelenkerkrankung einnimmt und der daraus resultierenden Fehlbelastung, kommt es häufig zu Muskelverspannungen und Schmerzen. Schmerzen beeinflussen nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern wirken sich langfristig eben auch auf den Gemütszustand aus.

Mit verschiedenen Massagegriffen können wir die Lebensqualität des Hundes nun deutlich verbessern.

Welche Techniken gibt es in der Massage

Massage beim Hund

In der Praxis wende ich verschiedene Massagetechniken an. Dies kann sich von Fall zu Fall unterscheiden und ist abhängig vom Stand der Erkrankung und natürlich der Mitarbeit des betroffenen Hundes. Die Gesundheit geht selbstverständlich vor, dennoch möchte ich meine Patienten nicht verunsichern. Um mir eine gute und freundschaftliche Basis aufzubauen, kombiniere ich die körperlich manchmal nicht so angenehmen Massagegriffe, mit den sehr sanften Berührungen aus dem Tellington TTouch. Das Vertrauen der Hunde steigt und erlaubt mir nun, ohne Druck und Zwang, mit meinem vierbeinigen Patienten zu arbeiten. Mehr zu Tellington TTouch findest du in diesem Artikel.

Klassische Massagegriffe sind:

  • Streichungen (Effleuragen)
  • Knetungen (Petrissagen)
  • Reibungen (Friktionen)
  • Klopfungen (Tapotmement)

Für den Hausgebrauch eignen sich Griffe, die nicht zu sehr in die Tiefe gehen. Unsachgemäß ausgeführte Massagegriffe können durchaus Schaden am Hund ausrichten. Hier solltest du dir unbedingt Hilfe bei einem erfahrenen Therapeuten suchen.

Ganz wundervolle und leicht umzusetzende Maßnahmen, sind die Wärmebehandlung, so wie die Streichungen. Auf diese gehe ich deshalb im Folgenden näher ein.

Wärmebehandlung

Wärme ist eine sehr alte Heilmethode und erweist sich häufig als wirksam. Empfohlen wird die Wärmetherapie bei chronischen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Beschwerden bei Arthrosen, Muskelverspannungen und chronische Gelenkentzündungen können durch Wärme gelindert werden.
Sie hat folgende positive Auswirkungen:

  • der Schmerz wird gelindert
  • die Spannung im Muskel wird gelöst
  • der Stoffwechsel des erwärmten Gewebes wird angekurbelt
  • Narbengewebe wird dehnbarer
  • der Blutfluss wird angekurbelt

Vorsicht bei Herz-Kreislauferkrankungen (bei großflächiger Wärmeanwendung kann der Blutdruck stark absinken).
Nicht bei akuten Entzündungen anwenden (die Entzündungsreaktion kann verstärkt werden).

Für die Wärmebehandlung kann man z. B. folgendes benutzen: Körnerkissen, Moorpackungen, Wärmflasche, Rotlicht, Klick Hotpack. Wärmebehandlungen können auch vor der Massage angewendet werden.

Achtung! Vor dem Auflegen die Temperatur an der eigenen Wange oder am Unterarm prüfen.
Wenn der Hund keine Wärmeanwendungen mag, sollten wir das respektieren und ihn nicht dazu zwingen. Vielleicht braucht er auch nur ein wenig Eingewöhnungszeit. Beachte in jedem Fall die Kommunikationssignale.

Streichungen in der Massage-Therapie

Streichungen sind eine angenehme und sanfte Massagetechnik, die auch der Kontaktaufnahme zum Hund, in der ungewohnten Situation dienlich sind. Oft werden sie auch gut vom Hund akzeptiert.
Die Streichungen gehören zu den oberflächlichen Massagegriffen. Sie wirken durchblutungsfördernd und entstauend auf das Venen- und Lymphgefäßsystem.

Durch die Streichungen des Hundekörpers wird eine Erwärmung der Haut und des darunterliegenden Gewebes erreicht. Es erfolgt eine Steigerung der Durchblutung und eine Herabsetzung der Muskelgrundspannung.

Streichungen werden am Anfang und am Ende einer Massagesitzung durchgeführt, so wie zwischen zwei Massagegriffen. Sie können aber auch gut für sich allein stehen und deinen Hund unterstützen. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen leichten und oberflächlichen, sowie tiefen und dehnenden Streichungen. Bei den leichten und oberflächlichen Streichungen wird mit einem weichen und mäßigen Druck gearbeitet, während wir bei den tiefen Streichungen kräftiger streichen. Aber auch hier bleiben wir noch in einem angenehmen Druckbereich für den Hund.

Achte darauf nur die Muskulatur auszustreichen und arbeite nicht direkt auf Knochenvorsprüngen oder der Wirbelsäule. Probiere die Druckstärke an deinem Arm aus.
Leichte, oberflächliche Streichungen machen eine kleine Delle auf dem Arm, bei den tieferen Streichungen ist die Delle etwas größer.

Bei den tiefen, dehnenden Streichungen kannst du auch den Handballen benutzen. Hier ist es besonders wichtig nicht auf den Knochen zu arbeiten.

Und so gehts:

Ob der Hund steht oder liegt, ist nicht entscheidend. Beginne so, dass dein Hund sich in einer Position befindet, die ihm gerade zusagt. Wenn er steht, darf er sich natürlich während der Streichung auch hinlegen und umgekehrt. Das Zimmer, in dem ihr euch befindet, sollte eine angenehme Temperatur haben und ohne Zugluft sein. Du beginnst jetzt eine bewusste, neue Handlung an deinem Hund, dass du entspannt bist ist also sehr wichtig. Schalte daher alle Ablenkungen von außen ab, atme kurz durch und mach den Kopf frei.

Beginne jetzt mit sanften Streichungen über den gesamten Hund. Starte am Halsansatz, geh mit der Fellrichtung und streiche sanft über den gesamten Hundekörper. Auch über Beine und Pfoten. Die Streichung wird mit der gesamten Hand ausgeführt und passt sich der Körperkontur an.

Am stehenden Hund kann man mit beiden Händen arbeiten. Es ist wichtig den Kontakt zum Tier nicht zu verlieren. Wenn du bei den Pfoten angekommen bist, löse erst eine Hand und leg sie am Halsansatz wieder auf. Die andere Hand folgt dann. Wenn der Hund liegt, ist es günstiger mit einer Hand zu arbeiten. Deine zweite Hand hält den Kontakt zum Hundekörper und gibt so Rückhalt und Sicherheit.

Dauer der Streichung

Arbeite anfangs in kurzen Sitzungen von ca. 1-5 min und nur mit oberflächlichen Streichungen. Hier kannst du auch Informationen sammeln, wo genau Verspannungen und Berührungsempfindlichkeiten vorhanden sind. Beobachte deinen Hund gut. Schmatzen, Lippenlecken Gähnen oder sich umschauen, können Schmerzsignale sein. Merke dir diese Stellen und verringere anfangs dort die Druckstärke.

Wenn ihr euch beide an die neuen Techniken gewöhnt habt, kannst du die Sitzungsdauer bis auf 20 min erhöhen (das ist aber kein Muss). Beginne immer mit oberflächlichen Streichungen, bis die Muskulatur schon erwärmt ist.

Im nächsten Schritt kannst du den Druck etwas erhöhen und somit zu den tiefen und dehnenden Streichungen übergehen.

Extratipp

Um die Muskulatur zu kräftigen, gibt es auch beim Gassi gehen ein paar Sachen, die man unkompliziert einbinden kann. Bitte achte darauf deinen Hund nicht zu überlasten und mache immer nur kleine Einheiten von 1 – 5 Minuten (langsame Steigerung).

  • Schrägen hochlaufen (überall da möglich, wo es Kinderwagen- und Rollstuhlgerecht ist)
  • Gehen durch tiefe Sandböden (z. B. manche Waldwege oder Seeufer)
  • Langsames gehen über niedrige Bodenhindernisse (fördert eine gute Gelenkbewegung). Lege dir hierzu ein paar Stöcke oder Agilitystangen hintereinander auf den Boden und achte darauf, dass der Hund jeden Fuß einzeln aufsetzt.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei den Übungen. Solltest du noch Fragen haben, hinterlasse mir gern einen Kommentar oder schreibe mir eine Nachricht über das Kontaktformular.

Ein Gedanke zu „Massage beim Hund – Wie du mit gezielten Griffen für Schmerzlinderung sorgst“

  1. Persönlich habe ich meinem Hund schon viele Massagen gegeben – auch wenn ich nicht wirklich wusste, was ich da gerade mache. Am ähnlichsten klingt meine Methode den Streichungen, denn mein Hund freut sich immer darauf wenn ich ankomme. Vielen Dank für den Hinweis, dass nur auf der Muskulatur gestrichen werden soll und nicht auf Knochenvorsprüngen, das werde ich beherzigen.
    http://www.kosmetik-bodyform.de/massagen.html

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